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Hochspannung am fokus energie

«Die Ereignisse stellen einiges auf den Kopf», eröffnete Moderator Urs Mathys das Podiumsgespräch. Bis heute sei jeder belächelt worden, der meinte, dass in der Schweiz keine Atomkraftwerke mehr gebaut werden. Dass die Meinungen über die künftige Energieversorgung immer noch ganz unterschiedlich sein können, zeigte sich in der anschliessenden spannenden Debatte. (Fotoalbum)

(v.l.): Kurt Rohrbach, Unternehmensleitung BKW; Lukas Stuber, COO Stahl Gerlafingen; Urs Mathys, az Solothurn/Moderator; Sara Stalder, Geschäftsleiterin Konsumentenschutz; Rolf Büttiker, SR FDP und Eric Nussbaumer, NR SP.
(v.l.): Kurt Rohrbach, Unternehmensleitung BKW; Lukas Stuber, COO Stahl Gerlafingen; Urs Mathys, az Solothurn/Moderator; Sara Stalder, Geschäftsleiterin Konsumentenschutz; Rolf Büttiker, SR FDP und Eric Nussbaumer, NR SP.

Ausstieg oder Weiterentwicklung?

«Zum heutigen Zeitpunkt haben unsere eingereichten Rahmenbewilligungsgesuche für Kernkraftwerke keinen hohen Wert mehr», meinte Kurt Rohrbach. Doch die Kernenergie habe er noch nicht abgeschrieben, denn die Technologie werde sich weiterentwickeln und könne später wieder in den Fokus rücken. Rolf Büttiker hingegen fand, der Ausstieg sei jetzt unausweichlich. Denn die Kernenergie sei endlich und die Sicherheit spiele die entscheidende Rolle. Der Stromverbrauch werde weiterhin zunehmen und die Wasserkraft sehe er auch in Zukunft als die massgebende Energiequelle.

Einsprachen oder Geldfrage?

Sara Stalder bemängelte, dass man mit freiwilligen Massnahmen von Wirtschaft und Stromversorgern nicht vom Fleck komme: Die Menschen wollten erneuerbare Energien, aber diese würden zu wenig gefördert. Wieso die erneuerbaren Energien eigentlich subventioniert werden müssten, wenn sie doch so gut seien, fragte Rolf Büttiker. Kurt Rohrbach konterte, dass alleine die BKW Hunderte Projekte zur Produktion erneuerbarer Energien geplant habe und man könne und wolle diese auch finanzieren. Zudem seien über die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) Millionenbeträge eingezogen worden, das Gros der Projekte werde aber trotzdem nicht realisiert. Grund seien die Einsprachen der Umweltverbände; das Einspracherecht müsse eingeschränkt werden.

Damit war Eric Nussbaumer gar nicht einverstanden: Bei Einsprachen müsse mit den Verantwortlichen vor Ort das Gespräch gesucht werden. Die Erfahrung zeige, dass man so Lösungen finde. Aber man müsse auch nicht gleich jeden Bach verbauen, denn dass es jemals zu einer Stromlücke komme, das bezweifelte Eric Nussbaumer.

Effizienz oder Standortpolitik?

Lukas Stuber hingegen bemängelte, dass ihm bis jetzt noch niemand beantworten konnte, wie man die drohende Stromlücke ohne Kernkraftwerke zu schliessen gedenke. Die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit – und letztlich der Preis – seien entscheidend für das Überleben der Industrie in der Schweiz. Sara Stalder und Eric Nussbaumer pochten auf Energieeffizienz und wehrten sich dagegen, dass Atomstrom billig sei. Schliesslich seien die Haftungsrisiken nicht richtig eingerechnet. Lukas Stuber wies darauf hin, dass die Stahl Gerlafingen bereits seit Jahren an der Erhöhung der Energieeffizienz arbeite und auch schon viel erreicht habe. Die europäischen Schwesterwerke der Stahl Gerlafingen hätten aber dank der Standortpolitik ihrer Länder klare Vorteile: in Italien wegen der CO2-Klimapolitik und in Frankreich wegen des hohen Anteils an günstigem Atomstrom.

Physik oder Gesetz?

Die Stromversorgung sei nur gewährleistet, wenn im Netz das Gleichgewicht zwischen erzeugter und bezogener Elektrizität herrsche. Strom habe also vor allem mit Physik zu tun,das Gleichgewicht könne nicht mit Gesetzen geregelt werden, zog Ulrich Bucher am Schluss Bilanz. Selbst in Rezessionsjahren sei der Stromverbrauch der AEK Kunden um rund zwei Prozent gestiegen. Er sei überzeugt davon, dass die Stromlücke komme. Für die Energieversorger sei es schwierig zu entscheiden, wo sie investieren sollen, da die Rechtssicherheit fehle. Zu denken gab ihm zudem, dass die Schweiz aufs Ausland setzt: «Wie sollen wir Strom vom Ausland importieren, wenn unsere Nachbarländer dereinst die gleichen Versorgungsprobleme haben werden wie wir? Ist Frankreich am Ende der lachende Dritte?», fragte er. Doch in einem waren sich alle einig: Am Schluss wird wohl das Volk an der Urne entscheiden!