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Ferndampfleitung für DHL angezapft
(Solothurn, 6. August 2007) Die Ferndampfleitung zwischen der KEBAG und der M-real Biberist wird angezapft. Über eine Stichleitung wird AEK die DHL ab September mit umweltfreundlichem Dampf aus der KEBAG versorgen. Heute erfolgte der Brückenschlag über den Emmenkanal. Die spezielle Konstruktion erinnert nicht ohne Grund an eine venezianische Brücke.

Anzapfen bei laufendem Betrieb Die DHL Logistics AG, welche auf dem ehemaligen Scintilla Areal in Derendingen eine grosse Verteilerzentrale betreibt, wird als erste Wärmebezügerin angeschlossen. Die Ferndampfleitung wird dazu bei laufendem Betrieb "angestochen", das heisst, ein Loch wird in die Leitung gesprengt und der Zapfhahn angebracht – quasi wie beim Anzapfen eines Bierfasses. Von der Hauptleitung gelangt der Dampf dann durch die neu erstellte Stichleitung über den Industriekanal direkt in die Heizzentrale der DHL. Ein Wärmetauscher entnimmt die Wärme und übergibt sie an das schon bestehende Verteilungsnetz im Gebäude der DHL. Die Anlage wird ihren Betrieb spätestens Mitte September aufnehmen.
Fasst wie eine Brücke in Venedig Das Besondere an der Stichleitung zur DHL ist die Überquerung des Industriekanals. Die von der Firma Caliqua AG angefertigte Konstruktion erinnert an eine venezianische Kanalbrücke im Kleinformat. Dies nicht ohne Grund: Der Nebenkanal der Emme und das nur wenige Meter daneben liegende Wasserkraftwerk stehen unter Denkmalschutz. Deshalb musste die Rohrbrücke nicht nur technischen, sondern auch ästhetischen Standards Rechnung tragen. Das Rohr, dessen Durchmesser mit Isolation nur gerade 500 mm beträgt, ist auf einem Trägersystem gelagert, welches in einem sanften Bogen über den Kanal führt.
Reduktion des CO2 -Ausstosses um 700 Tonnen Zurzeit benötigt die DHL eine maximale Heizleistung von 2'000 Kilowatt. Dies entspricht ungefähr dem Bedarf von 1'000 Einfamilienhäusern im Minergie-Baustandard. Bis anhin hat die DHL in ihrer alten Heizzentrale jährlich 260'000 Liter Heizöl verfeuert. Mit der neuen Dampfleitung reduziert sie ihren CO2-Ausstoss um rund 700 Tonnen pro Jahr. Etwa gleich viel CO2 produziert ein Mittelklassewagen, wenn er mehr als 100-mal um die Erde fährt. Die neue DHL-Dampfleitung besteht hauptsächlich aus der Stichleitung und der Wärmetauschereinheit. Die Stichleitung ist auf eine Leistung von 4'000 Kilowatt ausgelegt. Das heisst, sie könnte über 6 Tonnen Dampf pro Stunde durchleiten. Die Wärmetauscherleistung beträgt 2'000 Kilowatt. Durch die Installation eines zweiten Wärmetauschers der gleichen Grösse wäre bei erhöhtem Bedarf eine Erweiterung problemlos möglich.

So funktioniert der Energietransport mittels Dampf Der Energietransport mittels Dampf ist sehr simpel: In der KEBAG wird durch die enorme Energie der grossen Kehrrichtverbrennungskessel Wasser verdampft. Der Dampf ist überhitzt und steht unter hohem Druck, das heisst, er enthält viel mehr Energie als vorher das Wasser. Dieser Dampf gelangt über die Ferndampfleitung in die Papierfabrik und treibt die Papiermaschinen an. Dort gibt der Dampf seine Energie ab. Er kondensiert dabei aus und wird als heisses Wasser (Kondensat) zurück in die KEBAG gepumpt. Ganz analog funktioniert dies für die DHL. Allerdings braucht die DHL zum Heizen sehr viel weniger Dampf als die Papierfabrik. Deshalb wird die Hauptdampfleitung unterwegs nur "angezapft". Die neue kleinere Stichleitung führt den Dampf über den Industriekanal direkt in die Heizzentrale der DHL. Ein Wärmetauscher entnimmt dort die Wärme und übergibt sie an das schon bestehende Wärmeverteilungsnetz im Gebäude. Auch hier bleibt Kondensat zurück, welches zusammen mit dem Kondensat von der Papierfabrik wieder zurück zur KEBAG fliesst – bereit für einen neuen "Energietransport-Zyklus".
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